Darleen Pfister, Triathlon
Text: Darleen Pfister
Wunder geschehen lassen – Ein Rückblick auf die Ironman 70.3-Weltmeisterschaft in Marbella, ermöglicht durch die Investorengruppe Sport Thun
Es waren schwierige Wochen vor meinem Saisonhighlight, der Ironman 70.3-Weltmeisterschaft. Etwas mehr als einen Monat vorher bekam ich in einem Training plötzlich stechende Knieschmerzen und konnte seither nicht mehr laufen. Als ich realisierte, dass ich es mit einer ernsthafteren Verletzung zu tun habe, brach kurz meine Welt zusammen: Ich habe mir so sehr gewünscht, an der WM in meiner Alterskategorie aufs Podium zu laufen - und dann steht sogar der Start in den Sternen!
Unzählige Menschen halfen mir, dass dieser Start doch noch Realität werden könnte. Physios, Orthopäden, Coaches, … Und ein Sportpyschologe. Eine Woche vor dem Rennen machte ich einen Testlauf und musste ihn nach einem Kilometer wegen zu starken Schmerzen abbrechen. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich mir wirklich nicht sicher sein kann, ob ich es über die Ziellinie schaffe. In dieser Verzweiflung half mir mein Sportpsychologe. Wir bereiteten verschiedene Rennszenarien und -strategien vor, vom pessimistischen gar-nicht-erst-Loslaufen bis hin zum unrealistischen Wunder, dass es doch noch über die Ziellinie komme.
Die Vorfreude
Als ich im Flugzeug nach Malaga sass und auf die kleine Welt hinunterschaute, stieg in mir eine grosse Zuversicht auf. Ohne dass sich etwas an meinen Schmerzen verbessert hat, wusste ich: Ich werde das irgendwie schaffen. Ich freute mich riesig auf diese lang ersehnte WM.
Vier Tage vor meinem Rennen besichtigten wir das Start- und Zielgelände. Obwohl alles noch im Aufbau war, packte mich diese beeindruckende Stimmung. Tausende Triathlon-Begeisterte kamen zusammen für ihr grösstes Rennen vom Jahr. Und als ich die Zielgerade sah, auf dem Strand, das Meer ein paar Meter entfernt, kribbelte es in mir: Ich will es schaffen. Ich werde es schaffen. Und das, obwohl die Knieschmerzen an diesem Tag schlimmer waren als sonst.
Das Rennen
Rennmorgen. Es war eine besondere Atmosphäre, als langsam die Sonne über dem Meer aufging und wir unsere Fahrräder am Bereitmachen waren. Ich war ruhig und ganz vorfreudig. Als die Profi-Frauen starteten, war ich voller Glück, dass ich das erleben darf. Ich stand an der Startlinie, fast zuvorderst, umgeben von meinen gleichaltrigen Konkurrentinnen. Ich wippte zur Musik und strahlte; ich wollte diesen Tag geniessen.
Das tat ich. Das Schwimmen war wellig und fühlte sich wie immer sehr lang an. Die Radstrecke dagegen gefiel und lag mir sehr: Nach einem kurzen flachen Stück ging es lange und steil hoch. Als Thunerin bin ich mir das aber gewohnt und gleitete auf der Überholspur den Berg hinauf. Dabei hatte ich Zeit, mir die Natur und Dörfer anzuschauen. Oben angekommen, mussten wir ein welliges Stück auf einer schnellen Autostrasse fahren. Ich hatte ziemlichen Respekt vom starken Seitenwind, der das Fahrrad aus dem Nichts ins Wanken brachte. Nach einem letzten Aufstieg kam die lange, kurvige Abfahrt. Hochkonzentriert, in aerodynamischer Position und mit viel Spass flog ich den Berg runter.
Als ich in der Wechselzone vom Rad stieg und losrannte, spürte ich mein Knie sofort. Dass mich meine Begleiter:innen in den ersten Metern lautstark anfeuerten, lenkte mich vom Humpeln ab. Die Stimmung war ansteckend, die Strecke am Meer entlang schön. Ich gab mir und meinem Knie Zeit, in den Rhythmus zu kommen. Nach 10km lösten sich die Knieprobleme mit starken Schmerzen in den ganzen Beinen ab, weil die sich diese Belastung nicht mehr gewohnt waren. Ich konnte meine gewohnte Halbmarathon-Pace nicht mehr halten und wurde dadurch frustriert. Ausserdem dachte ich, weit hinter den Podiumsplätzen zu liegen und war enttäuscht. Der Weg bis ins Ziel war so hart wie noch nie in einem Rennen zuvor. Trotzdem: Als ich auf diese Zielgerade rannte, an die ich lange nicht mehr geglaubt habe, kamen die Emotionen in mir hoch. Erleichterung, aber auch Enttäuschung über das vermeintlich verpasste Podium bereiteten sich in mir aus.
Dieser Irrtum löste sich erst einen Moment später auf, als ich mich in der Lage fühlte, meine Platzierung auf dem Handy nachzuschauen. Als ich mich auf dem dritten Rang sah, stellte es mir den Atem ab, so überfordert war ich. Humpelnd und nach Atem ringend suchte ich dann den Weg zu meinen Begleiter:innen, die ich erleichtert in die Arme schloss.
Rückblickend
Dieses Rennen hat mich so viel gelernt wie noch keines zuvor. Die Verletzung forderte meine Trainingsmotivation heraus und verunsicherte mich vor dem Rennen stark. Damit einen Umgang zu finden und an das Wunder zu glauben (wie ich von meinem Coach lernte), ist ein grosses Learning. Diese Erfahrung gibt mir Selbstvertrauen für nächste Rennen, bei denen es nicht nach Plan läuft. Mit den Zeiten bin ich zwar nicht sonderlich zufrieden, aber das versuche ich bei den Umständen und dem dennoch guten Resultat nicht zu stark zu gewichten. Ich sehe es eher als Indikator für Potenzial, was mich sehr motiviert.
Das Knie ist leider immer noch nicht schmerzfrei, aber die Diagnose ist harmlos: Ich habe ein Runners Knee. Das ist eine typische Laufverletzung, die sich eine Entzündung der Sehnen am Knie auszeichnet. Bis sich das auflöst, braucht es Geduld, Dry Needling und Kraftübungen. Damit ich in der nächsten Saison wieder voll loslegen kann.
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